Sie wiegt mit bloßen Händen Bärlauch, riecht am Stiel, flüstert ein altes Sprüchlein gegen Hast. „Zuerst das Messer säubern, dann den Korb lüften“, sagt sie, und rührt Polenta, bis Dampf Erinnerungen malt. Als Kind sammelte sie Brombeeren für Krapfen; heute teilt sie Wissen auf Wanderwegen. Jede Portion bleibt klein, doch ihr Lächeln macht satt. Wer neben ihr geht, lernt Geduld, Dankbarkeit und den Mut, auch mal nein zu sagen.
Er zeigt die Lagunenfinger, erklärt Strömungen, die Muscheln zärtlich füttern, und warnt vor hastigen Schritten im Schlick. Zwischen Reusen wächst See‑Fenchel, salzig und klar. „Nur was du kennst, nimmst du mit“, sagt er, und brät eine Handvoll Kräuter neben kleinen Fischen in Olivenöl, Zitrone, Knoblauch. Aus dem Boot schaut er über Schilf, zählt Reiher, lächelt still. Respekt hält Netze stark und Teller einfach, aber wahr.
Zwischen Vorlesungen sammelt sie Giersch am Fluss, notiert Standorte mit Freunden, prüft Apps, aber verlässt sich am Ende auf Nase und Buch. In ihrer WG duftet Kräutersalz, daneben blubbert Kimchi aus Kohl und Karotten. Für wenig Geld entstehen lebendige Mahlzeiten, die Prüfungsnächte trösten. Auf dem Markt fragt sie nach Großmutterschnitten und mischt slawische, alpenländische und italienische Einflüsse ohne Angst. Lernen heißt für sie: schmecken, scheitern, wieder probieren, freundlich bleiben.